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Schulchronik
Die Geschichte des WWG

Am Samstag, den 18.7.2015, feiert das Städtische Wirtschaftswissenschaftliche Gymnasium sein 50-jähriges Bestehen. Von 15 bis 17.30 Uhr präsentiert sich die Schule mit einem vielseitigen Programm, z. B. Theateraufführungen, musikalische Darbietungen, Präsentationen aus den Naturwissenschaften und von Wettbewerbsbeiträgen, 3D-Drucker, kulninarischen Spezialitäten und vielem anderen mehr. Schüler und Lehrer haben sich viel einfallen lassen, um die Besucher zu informieren und zu unterhalten.
Ab 18 Uhr findet die große Wiedersehensparty der Ehemaligen des WWG statt. Fast 500 Absolventen aus allen Jahrgängen haben sich bereits angemeldet und freuen sich darauf, ihre alten Schulkameraden wieder zu treffen. Die Moderation werden Andy Enders und Frank Zeißler übernehmen. Garant für beste Stimmung ist die Kultband „Pepitas“. Für das leibliche Wohl ist natürlich auch gesorgt.

Die Anfänge

Im Zuge der bildungspolitischen Bemühungen seit den 60er Jahren wurde auf Beschluss des Stadtrats im Schuljahr 1965/66 an der „Städtischen Handelsschule Bayreuth“ ein wirtschaftswissenschaftlicher Gymnasialzweig eröffnet. Dieser Schritt bedeutete einen wesentlichen Einschnitt in die Bayreuther Schulgeschichte. Wer hätte damals geahnt, dass aus dem 89 Schüler umfassenden „Urkern“ des WWG (gegenüber den 250 Schülern der damals angeschlossenen Wirtschaftsaufbauschule), geleitet von Frau Ilse Bader, eines der größten Gymnasien Bayreuths mit rund 1.200 Schülern werden würde?

 

Die „Ära Ebersberger"

Am 1. Februar 1970 übernahm Oberstudiendirektor Hans Ebersberger, einem breiten Publikum bekannt als Fußballschiedsrichter und Spielleiter beim „Spiel ohne Grenzen“, das Steuer der Schule. Ganz offensichtlich brachte er neuen Schwung ins WWG: Die Schülerzahlen wuchsen, im Laufe der 70er Jahre „überholte“ das WWG zahlenmäßig die angegliederte Wirtschaftsschule, 1971 konnte erstmals ein Abitur am WWG durchgeführt werden, 1971/72 wurde zum letzten Mal in der siebenjährigen Kurzform unterrichtet und dafür die Form des neunjährigen Gymnasiums eingeführt. Schließlich erhielt das Gymnasium mit Beginn des Schuljahres 1972/73 einen mathematisch-naturwissenschaftlichen Zweig. In der Mitte der 70er Jahre besuchten bereits rund 550 Schüler das WWG, wobei noch bis 1983 in einer Sechstagewoche unterrichtet wurde.

Ein einschneidendes Ereignis in der Geschichte des WWG war 1973 der Bezug des neuen Schulhauses „Am Sportpark“. Das neue Schulgebäude bot anfangs genügend Platz für alle Schüler und seine Gäste der Volkshochschule und des Jugendfestspieltreffens. Zu Beginn des Schuljahres 1975/76 wurde die Berufsoberschule angegliedert.

Mit dem Schuljahr 1977/78 wurde am WWG der Kollegstufenunterricht eingerichtet. Die alten Klassen 12 und 13 wurden in ein Kurssystem überführt. Im gleichen Jahr besuchten Kultusminister Maier und Staatssekretär Nüssel die Schule. Auch der damalige Oberbürgermeister, Hans Walter Wild, ist, den Jahresberichten zufolge, ein gern gesehener Gast des Hauses gewesen.

1982/83 trennten sich die Wege von WWG und Wirtschaftsschule. Unter Leitung von Herrn Studiendirektor Küchler, seit 1974 im Lehrerkollegium, verselbständigte sich die Wirtschaftsschule. 1998 wurde auch die bei Lehrern und Schülern gleichermaßen beliebte Berufsoberschule ausgegliedert. Von da an ist das WWG mit seinem mathematischen und naturwissenschaftlichen Zweig ein „reines“ Gymnasium.

Mitte der 80er Jahre konnte sich die Schule und deren Leitung über neue Ehrungen freuen: 1984/85 erhielt Herr Oberstudiendirektor Ebersberger das Bundesverdienstkreuz verliehen; im Jahre 1993 folgte die Verleihung des Verdienstkreuzes 1. Klasse durch Kultusminister Zehetmair. In beiden Fällen wurde Hans Ebersberger für seine Verdienste um Schule und Sport geehrt. Wie immer am WWG wurden auch diese Ereignisse gebührend gefeiert – ein Beleg für die trotz kleiner „Alltagsreibereien“ herrschende Harmonie im Kollegium.

Schon seit den Anfangsjahren haben viele außerunterrichtliche Aktivitäten ihren Platz am WWG, z. B. Schulfahrten, Schuldiscos, Arbeitsgemeinschaften, sportliche Wettkämpfe, politische Seminare, Theaterfahrten, Museumsexkursionen usw. Auf diese Weise gelang es nicht nur, den Anforderungen an eine moderne Schule Rechnung zu tragen, sondern ebenso das gute Verhältnis zwischen Schülern und Lehrern zu fördern. Auch Elternbeirat und Schülermitverantwortung trugen in allen Jahren dazu bei, das Schulleben am WWG angenehm und attraktiv zu machen.

Seit Beginn der 90er Jahre beweisen die Schülerzahlen (rund 1250 Gymnasiasten, dazu noch zeitweise bis zu 120 BOS-Schüler) die ungebrochene Anziehungskraft der Schule. Etwa 90 hauptamtliche Lehrerinnen und Lehrer (1965/66: 13!) und viele nebenamtliche Lehrkräfte hielten zusammen mit dem Hauspersonal den „Betrieb" am Laufen. Wegen des großen Andrangs mussten zeitweise zahlreiche Oberstufenklassen außerhalb des Schulgebäudes untergebracht werden, so z. B. im Gymnasium Christian Ernestinum, im Jugendkulturzentrum, in der ehemaligen Musikschule und in der Jean-Paul-Schule. Vor diesem Hintergrund beschloss der Stadtrat 1992, den Westbau der Schule aufzustocken und das Lehrerzimmer zu erweitern. Im Sommer 1998 musste aus Platzgründen weiter der vordere Teil des Zentralbaus aufgestockt werden. Beide Maßnahmen wurden von der Schule als große Erleichterung empfunden.

Zwischen Kontinuität und Wandel

Mit dem 1. August 1998 begann eine neue Ära am WWG: Oberstudiendirektor Werner Weber übernahm das WWG als neuer Schulleiter. Hans Ebersberger wurde nach 28 Jahren, in denen er den Charakter des WWG sehr stark geformt und geprägt hat, als Schulleiter gebührend in den verdienten Ruhestand verabschiedet. Die große Attraktivität des WWG belegte auch das im Milleniumsjahr 2000 veranstaltete „Schulfest der Nationen", bei dem deutlich wurde, dass Schülerinnen und Schüler aus über 20 verschiedenen Nationen sich dort heimisch fühlen können.

Nach dem plötzlichen und unerwarteten Tod Werner Webers am 8.10.2000 leitete Herr Studiendirektor Tietz kommissarisch die Schule, bis am 1.8.2001 Oberstudiendirektor Gerhard Kraus die Schulleitung übernahm.

Der neue Schulleiter knüpfte bei seiner Amtsübernahme an die Traditionen des WWG an. Eine große Herausforderung für die Gymnasien wurde im Schuljahr 2005/2006 die Einführung des achtstufigen Gymnasiums (G8): Neue Lehrpläne mussten umgesetzt werden, die Anforderungsprofile in den einzelnen Klassen hatten sich teilweise komplett geändert, der Stundenplan wurde für die Schülerinnen und Schüler gedrängter, und auf manche Segnung des alten G9 (z. B. die Leistungskurse oder mehr Wahlmöglichkeiten für die Schüler) musste verzichtet werden. In bewährter innerer Disziplin und einem gesunden Pragmatismus meisterte das WWG auch diese Herausforderung und schulterte so auch im Frühsommer 2011 die Herausforderung eines doppelten Abiturs für G8 und G9.

Diese Neuerung brachte nicht nur die Verkürzung der Schulzeit um ein Jahr, sondern auch mehr Nachmittagsunterricht und die neue Form der Intensivierungsstunden, in denen sowohl Leistungsdefizite abgebaut als auch Begabungen gefördert werden sollen. Da die Schülerinnen und Schüler sich länger als früher in der Schule aufhalten, musste auch für deren leibliches Wohl gesorgt werden. Deshalb erfolgte rechtzeitig der Ausbau eines modernen Speisesaals.

Eine weitere wichtige Einrichtung ist der 2001 neu gegründete „Verein der Freunde des WWG“ unter seinem ersten Vorsitzenden Stefan Hertel, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, ein lebendiges Glied zwischen „Ehemaligen“, Aktiven sowie Freunden und Förderern herzustellen. Ziel des Vereins ist es, die Schule ideell und materiell zu fördern. Es werden Projekte unterstützt, für die vom Sachaufwandsträger, der Stadt Bayreuth, keine Unterstützung erwartet werden kann. Bisher wurden beispielsweise das Schulradio, die Theater-AG oder die Video-AG gefördert. Als letzte große Fördermaßnahme wurden die Musikinstrumente für die im Schuljahr 2014/15 neu eingeführte Bläserklasse angeschafft. Außerdem trägt der Freundesverein regelmäßig zum Schulleben bei. Er bietet gesellige Veranstaltungen an, vor allem aber halten ehemalige Schüler in der Schule Vorträge zu aktuellen Themen oder geben Einblick in ihren beruflichen Alltag. So haben einige „berühmte" Schulabgänger des WWG darunter Jeff Maisel, Claus Strunz, Katharina Wagner oder Florian Mayer in interessanten Vorträgen in der Schule von ihrer Arbeit berichtet, wo sie – vielleicht den Schülern als Vorbild – dienen.

Trotz aller Veränderungen erhielt das WWG auch weiterhin regen Zuspruch; die Übertrittsquote bleibt erfreulich konstant. Kein Wunder, dass die Raumsituation bald wieder angespannt und Abhilfe notwendig war. Einem Beschluss des Stadtrats im Jahr 2010, die schon genehmigten Mittel für die Aufstockung des WWG wieder zu streichen, setzten Elternbeirat, Schülerinnen und Schüler eine spontane Großdemonstration vor dem Bayreuther Rathaus entgegen. Dank dieses Einsatzes wurde der Beschluss revidiert und das WWG bekam im Laufe des Jahres 2011 endlich seine Aufstockung des Zentralbaus mit modernen Räumen und einer Ausstattung, die Arbeiten und Lernen enorm erleichtern. Im Zuge dieser Erweiterung konnten die Fachräume der Physik und der Chemie auf einen modernen Stand gebracht werden und bieten nun den Schülerinnen und Schülern vielfältige Möglichkeiten, selbst zu experimentieren und theoretisch erworbene naturwissenschaftliche Kenntnisse anschaulich zu vertiefen.

Auch das Kollegium des WWG ist einem Wandlungsprozess unterworfen. Im Rahmen des Generationswechsels haben viele verdiente Kolleginnen und Kollegen aus den Anfangsjahren die Schule verlassen und sind in Pension gegangen, andere werden älter und streben der Pensionierung zu, dafür kommen neue Kräfte. Stellvertretend für alle, die bisher aus Altersgründen ausschieden, sei Studiendirektor Joachim Korb genannt, der mit seiner freundlichen Art und großem Wissen das Erscheinungsbild der Schule nach innen und außen hin nachhaltig prägte. Die Beisetzung des langjährigen Schulleiters Hans Ebersberger, der am 30.11.2010 verstorben war, erregte bundesweites Aufsehen.

Ausblick

Nach zwölfjähriger erfolgreicher Tätigkeit trat Oberstudiendirektor Gerhard Kraus mit Ende des Schuljahres 2012/2013 in den Ruhestand. Sein Nachfolger wurde Kollege Hans-Dieter Sippel, der aus dem Kreise des Kollegiums des WWG stammt und sich dort als langjähriger Personalratsvorsitzender, Unterstufenbetreuer, Fachbetreuer, Stundenplanbeauftragter und Mitarbeiter der Schulleitung verdient gemacht hatte. Darüber hinaus ist er bayernweit für sein Engagement im Judosport bekannt. Unter seiner Leitung wird das WWG im Jahr 2015 sein fünfzigjähriges Bestehen feiern – ein weiterer Glanzpunkt seiner bisherigen Erfolgsgeschichte.

In den Jahren seines Bestehens hat sich das WWG den Ruf erworben, eine beliebte und angesehene Schule für die Stadt und den Landkreis mit einem sehr guten Schüler-Lehrer-Verhältnis zu sein. Das wird auch für künftige Generationen eine Verpflichtung sein. Am WWG haben Natur- und Geisteswissenschaften, Sport und künstlerische Fächer sowie eine Vielzahl außerschulischer Aktivitäten (z. B. Exkursionen, Schulpartnerschaften, Wettbewerbe, Lernen außerhalb der Schule usw.) einen festen Platz. Zu den unverzichtbaren Eckpfeilern der Arbeit am WWG gehört die vielfältige Förderung sportlicher und musischer Aktivitäten. Stellvertretend für das besondere soziale Engagement des WWG sei neben Großprojekten wie dem „Run for Help“ für MS-Kranke oder der Spendenaktion für die deutsche Knochenmarkspenderdatei (DKMS) auf den vom Elternbeirat des WWG gestifteten und seit dem Schuljahr 2012/13 jährlich vergebenen „Social Award“ als Anerkennung herausragenden sozialen und zwischenmenschlichen Einsatzes von Schülern und Lehrern am WWG verwiesen.

Auch das WWG ist den sich immer rasanter verändernden gesellschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen ausgesetzt. Von seinem Ruf, eine beliebte und angesehene Schule für die Stadt und den Landkreis Bayreuth mit einem sehr guten Schüler-Lehrer-Verhältnis zu sein, hat das WWG trotz allen Wandels aber nichts verloren. Auf diese Weise konnte eine erfreuliche Kontinuität trotz aller notwendigen Anpassungen im Zeitenwandel erreicht werden.

 

 

Unter dem Motto „WWG – 50 Jahre jung“ feierte das WWG am 18.7.2015 sein fünfzigjähriges Bestehen. Das Fest wurde zu einem Höhepunkt der Geschichte des Gymnasiums. Zur Schulpräsentation mit vielfältigem Programm und anschließendem heiteren Fest kamen viele hundert Gäste und zeigten damit ihre Wertschätzung dem WWG gegenüber. Zur Musikbegleitungdurch die „Pepitas“ und einem „Starauftritt“ von Melanie Rainer feierten aktuelle und ehemalige Schüler, Eltern, Gönner und Freunde zusammen mit dem Kollegium des WWG rund um das Festzelt an jenem unvergesslichen Abend bis in die späten Nachtstunden. Aus kleinen Anfängen entwickelte sich die Schule im Laufe dieser Jahre zu einem der größten Bayreuther Gymnasien. Auf diese Erfolgsgeschichte darf das WWG stolz sein und mit Zuversicht auf eine weiter gedeihliche Entwicklung in den kommenden Jahren hoffen.                                  

Wolfgang Hammon, Fachbetreuer Geschichte/Sozialkunde