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Wirtschaftswissenschaftliches und Naturwissenschaftliches Gymnasium der Stadt Bayreuth

Die Geschichte des WWG

Die Anfänge

Im Zuge der bildungspolitischen Bemühungen seit den 60er Jahren wurde auf Beschluss des Stadtrats hin im Schuljahr 1965/66 an der „Städtischen Handelsschule Bayreuth" ein wirtschaftswissenschaftlicher Gymnasialzweig eröffnet. Dieser Schritt bedeutete einen wesentlichen Einschnitt in die Bayreuther Schulgeschichte. Wer hätte damals geahnt, dass aus dem 89 Schüler umfassenden „Urkern" des WWG (gegenüber den 250 Schülern der damals angeschlossenen Wirtschaftsaufbauschule), geleitet von Frau Ilse Bader, eines der größten Gymnasien Bayreuths mit rund 1.200 Schülern werden würde?

Die „Ära Ebersberger"

Am 1. Februar 1970 übernahm Oberstudiendirektor Hans Ebersberger, einem breiten Publikum bekannt als Schiedsrichter für Fußball und beim „Spiel ohne Grenzen", das Steuer der Schule. Ganz offensichtlich brachte er neuen Schwung ins WWG: Die Schülerzahlen wuchsen, im Laufe der 70er Jahre „überholte" das WWG zahlenmäßig die angegliederte Wirtschaftsschule, 1971 konnte erstmals ein Abitur am WWG durchgeführt werden, 1971/72 wurde zum letzten Mal in der siebenjährigen Kurzform unterrichtet, und mit Beginn des Schuljahres 1972/73 erhielt das Gymnasium einen mathematisch-naturwissenschaftlichen Zweig. Mitte der 70er Jahre besuchten bereits rund 550 Schüler das WWG, wobei noch bis 1983 in einer Sechstagewoche unterrichtet wurden.

Die Jahre 1973 - 1998

Ein einschneidendes Ereignis in der Geschichte des WWG war 1973 der Bezug des neuen Schulhauses „Am Sportpark“. Das neue Schulgebäude bot anfangs genügend Platz für alle Schüler und seine Gäste der Volkshochschule und des Jugendfestspieltreffens. Zu Beginn des Schuljahres 1975/76 wurde die Berufsoberschule angegliedert.

Mit dem Schuljahr 1977/78 wurde am WWG der Kollegstufenunterricht eingerichtet. Die alten Klassen 12 und 13 wurden in ein Kurssystem überführt. Im gleichen Jahr besuchten Kultusminister Maier und Staatssekretär Nüssel die Schule. Auch der damalige Oberbürgermeister, Hans Walter Wild, ist, den Jahresberichten zufolge, ein gern gesehener Gast des Hauses gewesen.

1982/83 trennten sich die Wege von WWG und Wirtschaftsschule. Unter Leitung von Herrn Studiendirektor Küchler, seit 1974 im Lehrerkollegium, verselbständigte sich die Wirtschaftsschule. 1998 wurde auch die Berufsoberschule ausgegliedert. Erst von da an ist das WWG mit seinem mathematischen und naturwissenschaftlichen Zweig ein „reines“ Gymnasium.

Mitte der 80er Jahre konnte sich die Schule und deren Leitung über neue Ehrungen freuen: 1984/85 erhielt Herr Oberstudiendirektor Ebersberger das Bundesverdienstkreuz verliehen; im Jahre 1993 folgte die Verleihung des Verdienstkreuzes 1. Klasse durch Kultusminister Zehetmair. In beiden Fällen wurde Hans Ebersberger für seine Verdienste um Schule und Sport geehrt. Wie immer am WWG wurden auch diese Ereignisse gebührend gefeiert – ein Beleg für die trotz kleiner „Alltagsreibereien" herrschende Harmonie im Kollegium.

Schon seit den Anfangsjahren haben viele außerunterrichtliche Aktivitäten ihren Platz am WWG, z. B. Schulfahrten, Schuldiscos, Arbeitsgemeinschaften, sportliche Anstrengungen, politische Seminare, Museumsexkursionen usw. Auf diese Weise gelang es nicht nur, den Anforderungen an eine moderne Schule Rechnung zu tragen, sondern ebenso das gute Verhältnis zwischen Schülern und Lehrern zu fördern. Auch Elternbeirat und Schülermitverantwortung trugen in allen Jahren dazu bei, das Schulleben am WWG angenehm und attraktiv zu machen.

Seit Beginn der 90er Jahre beweisen die Schülerzahlen (rund 1200 Gymnasiasten, dazu noch zeitweise bis zu 120 BOS-Schüler) die ungebrochene Anziehungskraft der Schule. Etwa 90 hauptamtliche Lehrerinnen und Lehrer (1965/66: 13!) und viele nebenamtliche Lehrkräfte halten zusammen mit dem Hauspersonal den „Betrieb" am Laufen. Wegen des großen Andrangs mussten zeitweise zahlreiche Schüler außerhalb des Schulgebäudes untergebracht werden, so im Gymnasium Christian Ernestinum, im Jugendkulturzentrum, in der ehemaligen Musikschule und in der Jean-Paul-Schule. Vor diesem Hintergrund wurde der Beschluss des Stadtrates, im Sommer 1998 den Zentralbau des WWG aufzustocken, als Erleichterung empfunden, wenige Jahre später folgte die Erweiterung des Westbaus.

Zwischen Kontinuität und Wandel

Mit dem 1. August 1998 begann eine neue Ära am WWG: Oberstudiendirektor Werner Weber übernahm das WWG als neuer Schulleiter und löste Hans Ebersberger ab, der gebührend verabschiedet wurde und die Schule seitdem durch Preise für hervorragende Facharbeiten fördert, die eine von ihm ins Leben gerufene Stiftung vergibt. Die Schule wurde unter seiner Leitung weiter ausgebaut und modernisiert. Die große Attraktivität des WWG belegte auch das im Milleniumsjahr 2000 veranstaltete „Schulfest der Nationen“, bei dem deutlich wurde, dass Schülerinnen und Schüler aus über 20 verschiedenen Nationen sich dort heimisch fühlen können.

Nach dem plötzlichen und unerwarteten Tod Werner Webers am 8.10.2000 übernahm Herr Studiendirektor Tietz kommissarisch die Schulleitung, ehe er am 1.8.2001 Oberstudiendirektor Gerhard Kraus die Schulleitung übergab.

Der neue Schulleiter knüpfte bei seiner Amtsübernahme an die Traditionen des WWG an, es gelang ihm aber auch, das WWG an eine neue Zeit anzupassen. Die größte Herausforderung kam mit der Einführung des achtjährigen Gymnasiums (G8) mit Beginn des Schuljahres 2004/2005, das noch bis zum Jahre 2011 parallel mit dem „alten" G9 läuft.

Diese Neuerung brachte nicht nur die Verkürzung der Schulzeit um ein Jahr, sondern auch mehr Nachmittagsunterricht und die neue Form der Intensivierungsstunden, in denen sowohl Leistungsdefizite abgebaut als auch Begabungen gefördert werden sollen. Da die Schülerinnen und Schüler sich länger in der Schule aufhalten, musste auch für deren leibliches Wohl gesorgt werden. Deshalb erfolgte auch rechtzeitig der Ausbau eines modernen Speisesaals.

Ein weitere wichtige Einrichtung ist der 2001 neu gegründete „Verein der Freunde des WWG" unter seinem ersten Vorsitzenden Stefan Hertel, der es sich zur Aufgabe machte, ein lebendiges Glied zwischen „Ehemaligen", Aktiven sowie Freunden und Förderern herzustellen. Dem Verein gelang es unter anderem, einige „berühmte" Schulabgänger des WWG, wie Jeff Maisel, Claus Strunz, Katharina Wagner oder Florian Mayer, zu Vorträgen in die Schule einzuladen, wo sie – vielleicht den Schülern als Vorbild – von ihrer Arbeit berichteten.

Auch das Kollegium des WWG wandelt sich. Im Rahmen des Generationswechsels haben viele verdiente Kolleginnen und Kollegen die Schule verlassen und sind in Pension gegangen, andere werden älter und streben der Pensionierung zu, dafür kommen neue Kräfte. Von seinem Ruf, eine beliebte und angesehene Schule für die Stadt und den Landkreis mit einem sehr guten Schüler-Lehrer-Verhältnis zu sein, hat das WWG trotz allen Wandels nichts verloren. Auf diese Weise konnte eine erfreuliche Kontinuität trotz aller notwendigen Anpassungen an eine neue Zeit erreicht werden.